Abonnieren: Artikel | Kommentare

JOANA erzählt

Mit zwei Jahren kam ich ins Kinder- und Jugendhaus St. Josef. Ich habe mich in der Hildegard-Gruppe schnell eingelebt und mich mit meiner älteren Schwester dort sehr wohl gefühlt. Mein Vater hat uns Mädchen über Jahre regelmäßig alle zwei Wochen am Wochenende besucht. Manchmal konnte er das ganze Wochenende mit uns verbringen und hat dann in unserem Besuchszimmer übernachtet.

Zweimal wurde darüber nachgedacht, ob ich nicht wieder nach Hause zurück ziehen oder in einer Pflegefamilie aufgenommen werden könnte. Doch immer wieder konnte ich mit der Unterstützung der Erwachsenen alle davon überzeugen, dass ich im Kinder- und Jugendhaus bleiben durfte. Es war längst mein Zuhause geworden und das ist es heute noch. Mit 18 Jahren musste ich, wie alle älteren Jugendlichen, meine Wohngruppe verlassen und bin in eine eigene kleine Einzimmer-Wohnung in der Nachbarschaft gezogen.

Wenn ich heute auf besondere Erlebnisse zurückblicke, dann sind es die besonderen Feste: Geburtstage, zu denen ich immer meine Freunde einladen konnte, meine eigene Taufe als ich vier Jahre alt war, die Gruppennamenstage, an denen von den Erzieherinnen immer etwas Besonderes vorbereitet wurde. Aber es sind auch die Ausflüge in die nähere Umgebung, die mir in Erinnerung geblieben sind. Einmal wurden wir sogar als Gruppe von einer Veranstaltungsfirma zu einer Vorstellung des Musicals "König der Löwen" nach Hamburg eingeladen. Die jährlichen Ferienfreizeiten in den Sommerferien waren immer ein besonderes Highlight.

Sehr froh bin ich, dass ich schon mit 8 Jahren die Gelegenheit bekam, mit dem Singen und Tanzen einem Hobby nachgehen zu können. Dank einer großzügigen finanziellen Unterstützung konnte ich über mehrere Jahre am Ballettunterricht teilnehmen. Danach wechselte ich zum Jazztanz. Das Singen hat mich ebenfalls früh begeistert. In der Evangelischen Kirche, hier in Bad Oldesloe, konnte ich zunächst im Kinderchor und dann, je älter ich wurde, in den verschiedenen Chören mitsingen. Heute bin ich Mitglied im Gospelchor. Bei Konzerten bin ich immer mit im Einsatz. Das ist einfach toll und macht mir ganz viel Freude! Als im Jahr 2000 die eigene Band des Kinder- und Jugendhauses gegründet wurde, war ich selbstverständlich von Anfang an mit dabei.

In der Schule ist es mir nicht immer leicht gefallen, zu lernen. Häufig brauchte ich Hilfe, um den Anforderungen zu entsprechen.

Es war eine schöne Zeit für mich, auch wenn es manchmal nicht leicht war. Ich habe immer noch einen ganz lebendigen Kontakt zu meiner Wohngruppe und besuche die Kinder und Jugendlichen, mit denen ich lange zusammengelebt habe, ziemlich regelmäßig in ihrem Wohnhaus auf dem Grundstück des Kinder- und Jugendhauses St. Josef im Wendum. Mein Leben ist seit dem Auszug sehr viel anders geworden. Früher wurde mir häufig geholfen, mich zurechtzufinden. Heute muss ich mich fast immer selbstständig "auf den Weg machen". Aber ich habe zum Glück mein Fahrrad und die mir immer noch vertrauten früheren Erzieherinnen, die mir ganz wichtig sind."

Joana Wilmes