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Leben im Hier und Jetzt

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Minderjährige unbegleitete Flüchtlinge in der Betreuung.

Was bleibt, wenn die Vergangenheit und auch die Zukunft für Kinder und Jugendliche unerreichbar erscheinen? Minderjährige unbegleitete Flüchtlinge leben in dieser Situation. Seit 2010 haben wir über 50 von ihnen in unserer Einrichtung aufgenommen. Sie wurden alle auf ihren Fluchtwegen im Kreisgebiet Stormarn aufgegriffen. Nach der polizeilichen Feststellung ihrer Personalien und der Übergabe an das Jugendamt kommen sie zu uns. Damit öffnet sich für sie leider noch keine längerfristige Lebensperspektive. Sie finden hier Schutz und einen vorläufigen Ort, an dem sie leben können. Unsere Aufgaben liegen vorrangig in der Gestaltung des Alltags und der Vermittlung von Sprachkenntnissen.

Das klingt so einfach und ist doch für alle Beteiligten eine Herausforderung. Jeder unbegleitete minderjährige Flüchtling hat eine ganz eigene Geschichte. Alle haben ihre Heimat verlassen, viele von ihnen ihre Familien verloren und sie möchten in einem anderen Land ein neues Leben aufbauen. Über Wochen, teilweise über Monate, waren sie auf sich selbst gestellt und haben sich durchgekämpft. Hier in Bad Oldesloe kommen sie dann in eine vollkommen fremde Welt. Ab sofort sollen sie mit vielen anderen Kindern und Jugendlichen unter einem Dach leben. Abgesehen davon, dass die Flüchtlinge unsere Sprache kaum verstehen, müssen sie erst einmal Vertrauen aufbauen und nebenbei den Kulturschock überwinden.

Die Integration in den Alltag findet vielfach unkompliziert mit Unterstützung der anderen Kinder und Jugendlichen statt, die mit ihnen zusammen leben. Ebenfalls besonders wichtig für die Kontaktaufnahme sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit eigenem Migrationshintergrund. Ihre unterschiedlichen Sprachkenntnisse erweitern unsere Möglichkeiten.

In Zusammenarbeit mit Fachkräften und freiwilligen Helfern gelingt es gut, die deutsche Sprache zu vermitteln. Unsere Erfahrungen zeigen, dass die Kinder und Jugendlichen sehr schnell die für sie fremde Sprache verstehen lernen, aber weiterhin große Probleme haben, ihre traumatischen Erlebnisse in dieser neuen Sprache auszudrücken.

Bei allen Bemühungen bleibt für diese Kinder und Jugendlichen immer eine Ungewissheit: Können sie hier bleiben oder werden sie abgeschoben? In dieser Situation bedeutet es schon sehr viel für sie, Menschen zu finden, die sie begleiten und denen sie vertrauen können.

Ute Jünemann / Axel Krüger

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Durch Zufall in Bad Oldesloe
Jan Yousef sammelt in drei Jahren viele neue Erfahrungen.

Jan, beschreibe uns einmal die Umstände, die Dich in unser Kinder- und Jugendhaus nach Bad Oldesloe gebracht haben?

Ich wurde am 1. Januar 2012 von der Polizei in Neumünster aufgegriffen. Die Polizisten waren sehr nett und gaben mir Kuchen, da Neujahr war. In Neumünster waren alle Flüchtlingsunterkünfte voll belegt. Daher wurde ich hier nach Bad Oldesloe ins Kinder- und Jugendhaus gebracht.

Wie war Dein erster Eindruck, als Du hier angekommen bist?

Meinen ersten Eindruck kann ich gar nicht mehr beschreiben. Entscheidend war für mich erst einmal, dass ich irgendwo schlafen konnte. Später gefiel es mir dann ganz gut hier. Ich konnte mit vielen Kindern und Jugendlichen zusammenleben. Mit manchen war ich schnell gut befreundet. Ich habe mich gefreut, dass auch andere Flüchtlinge mit mir zusammen in der Wohngruppe gelebt haben. Der Alltag war sehr lebendig. Am Liebsten waren mir die Aktivitäten, die wir in der Freizeit unternommen haben.

Es gab sicherlich auch einiges, was Dir nicht gefallen hat?

Zunächst ein Mehrbettzimmer mit wechselnden Jugendlichen bewohnen zu müssen, die nicht auf ihre Körperhygiene geachtet haben, das war schwierig. Es war in diesem Zimmer auch immer sehr laut. Manche Mitbewohner waren sehr aggressiv. Mir gefiel auch nicht, dass ich sehr lange auf einen Schulplatz warten musste. Nicht einmal mit einem Deutschkurs konnte ich sofort beginnen. Erst nach neun Monaten bekam ich die Möglichkeit, endlich in die Schule gehen zu können. Die deutsche Sprache habe ich mir dann weitgehend ohne fremde Hilfe beigebracht.

Welche Unterstützung hast Du hier in St. Josef bekommen?

Vieles konnte ich schon vorher selbständig erledigen: Geld einteilen, einkaufen und so weiter. Ich habe aber viel Unterstützung im emotionalen Bereich bekommen. Und ich hatte immer das Gefühl, dass man sich um mich kümmert.

Heute wohnst Du nicht mehr im Haupthaus im Wendum. Wenn Du an die Zeit in St. Josef zurückdenkst, was wird Dir in Erinnerung bleiben?

Bei aller Unsicherheit, die meine Zukunft betrifft, habe ich hier Menschen gefunden, die mir in dieser Zeit Sicherheit und Zuversicht gegeben haben.

Diana Djordjevic

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